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Wo sind die Corona-Impfzentren in Deutschland?

Ausschnitte aus einem Beitrag von ZEIT ONLINE

Corona-Impfzentren

Der große Impfplan


Bald schon soll auch in Deutschland gegen das Coronavirus geimpft werden. Wie wird das ablaufen? Ein Überblick zu den wichtigsten Fakten und allen bekannten Impfzentren.

 

Auf wenig wartet die Welt so sehnsüchtig wie auf Impfstoffe gegen das Coronavirus. Doch es ist eine gewaltige logistische Aufgabe, so viele Menschen zu impfen, dass das Virus wirklich zurückgedrängt wird und langfristig wieder ein halbwegs normales gesellschaftliches Leben stattfinden kann. Wie soll das genau funktionieren?

 

Zuletzt aktualisiert am 7. Dezember 2020, 15:48 Uhr

Zentralimpfzentren und Kreisimpfzentren für die Corona-Impfung auf der Deutschlandkarte im Überblick
Die Standorte der derzeitigen Corona-Impfzentren

Die Karte wird ständig aktualisiert

Wir recherchieren tagesaktuell die neu bestätigten Standorte der Impfzentren und zeigen sie direkt in dieser Karte. Da manche Bundesländer noch nicht alle Adressen veröffentlicht oder ihre Planungen noch nicht abgeschlossen haben, können in einigen Regionen noch keine Standorte gezeigt werden. Wurde eine Stadt oder ein Landkreis aber grundsätzlich als Standort bestätigt, verorten wir die Region mit einem transparenten Kartenpunkt, bis die finale Adresse veröffentlicht wurde. Mobile Impfzentren werden vorerst nicht abgebildet.

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Wo werden Impfzentren eingerichtet?

Im ersten Schritt ist geplant, möglichst zentral gelegene Orte einzurichten, an denen in kurzer Zeit viele Tausend Menschen versorgt werden können. Zugleich sollen mobile Teams diejenigen aufsuchen, die nicht in solche Zentren kommen können oder die man gemeinsam am Arbeitsort impfen kann.

 

Die Entscheidung darüber liegt bei den Bundesländern. In den meisten Ländern soll in jedem Landkreis und jeder kreisfreien Stadt mindestens ein Zentrum entstehen, wo besonders viele Menschen leben, auch mehrere. Niedersachsen plant beispielsweise durchschnittlich mit einem Zentrum je 150.000 Einwohnerinnen und Einwohner. In Hessen sollen die Zentren an allen Tagen der Woche besetzt sein, auch am Wochenende, von morgens 7 Uhr bis abends 22 Uhr. Verabredet ist, dass die Zentren vom 15. Dezember an arbeitsfähig sind, auch wenn dann sehr wahrscheinlich noch kein Impfstoff bereitstehen wird.

 

Neben den Zentren soll es mobile Impfteams geben, die Alten- und Pflegeheime sowie Krankenhäuser versorgen. Die meisten Länder planen, je Kreiszentrum mindestens ein mobiles Team einzusetzen.

Die verfügbaren Impfdosen sollen nach Bevölkerungsanteil an die Bundesländer verteilt werden. Da die Impfstoffe in Chargen geliefert werden, kann es dazu kommen, dass nicht alle Zentren immer gleich gut versorgt werden können und deshalb nicht immer durchgängig einsatzfähig sein werden.

Wie ist ein Impfzentrum aufgebaut?

Das wird sich von Standort zu Standort unterscheiden. Hamburg plant, in der Messehalle 3 ein zentrales Impfzentrum einzurichten, in Schleswig-Holstein könnten mehrere Jugendherbergen genutzt werden, Bayern will ehemalige Krankenhäuser heranziehen, Hessen mehrere Großsporthallen. Immer geht es darum, ausreichend Platz für viele Menschen zu haben, die dennoch Abstand halten können und sich möglichst wenig begegnen. Es muss deshalb getrennte Ein- und Ausgänge geben. Außerdem sollen die Zentren möglichst gut mit dem Auto und dem öffentlichen Nahverkehr erreichbar sein.

 

Empfangen werden die Impfwilligen an einer Anmeldung. Dort müssen sie sich ausweisen. Es wird geprüft, ob sie zur Impfung berechtigt sind und ihre Temperatur gemessen. Außerdem erhalten sie Informations- und Fragebögen zum Gesundheitszustand. Der nächste Schritt führt in einen Raum, in dem die Patienten über die Risiken und Nebenwirkungen der Impfung aufgeklärt werden sollen. Darauf folgen Einzelkabinen, in denen die Impfung vorgenommen wird. Zuletzt kommen die Patientinnen und Patienten in einen Beobachtungsbereich, in dem sie sich eine Zeit lang aufhalten können, bis sie sich gut genug fühlen, um das Impfzentrum zu verlassen – so wie bei anderen Behandlungen auch.

Wer arbeitet in den Impfzentren?

Um ein Impfzentrum betreiben zu können, werden viele verschiedene Fachleute gebraucht. Ärztinnen und Ärzte müssen über Wirkung, harmlose, aber unangehme Impfreaktionen wie eine Schwellung am Arm und mögliche seltene Nebenwirkungen aufklären. Die Impfung selbst kann von medizinischen Fachangestellten vorgenommen werden. Bund und Länder haben sich darauf geeinigt, dafür die Kassenärztlichen Vereinigungen zur Mitarbeit zu verpflichten, wenn dies nötig ist. Diese berichten von einer großen Resonanz auf ihre Aufrufe unter den aktiven Ärzten, also selbstständigen Ärzten mit eigenen Praxen. Viele dieser Praxen sind gegenwärtig nicht so belastet wie in den vergangenen Jahren, weil viele Patienten aus Sorgen vor Ansteckungen mit dem Coronavirus seltener zum Arzt gehen. Außerdem haben sich schon Ruheständler freiwillig gemeldet.

 

Gegebenenfalls werden Mitarbeitende von Krankenhäusern hinzugezogen. Medizinische Fachangestellte, Pflegekräfte und Sanitäter übernehmen Hilfsarbeiten für die Ärzte und betreuen Patienten vor und nach der Impfung. Verwaltungspersonal nimmt Impfwillige in Empfang, prüft die Daten und organisiert die Abläufe. Mitarbeiter der Kommunen, des Technischen Hilfswerks oder der freiwilligen Feuerwehr helfen beim Aufbau der Zentren und der Logistik. Sie können von weiteren Hilfsorganisationen, dem Katastrophenschutz, Logistikunternehmen oder der Bundeswehr unterstützt werden. Auch Sicherheitsleute soll es geben.

Wer soll geimpft werden und in welcher Reihenfolge?

Das legt üblicherweise die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut (Stiko) fest und so wird es auch dieses Mal sein. In den ersten Monaten wird es sicher nicht genug Impfstoffserum für die ganze Bevölkerung geben, obgleich manche Impfstoffhersteller schon auf Verdacht vorproduziert haben. Deshalb müssen Gruppen definiert werden, die sinnvollerweise zuerst geimpft werden sollten. Damit es so gerecht wie möglich zugeht, haben die Stiko, der Deutsche Ethikrat und die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina einen gemeinsamen Vorschlag vorgelegt. Drei Gruppen werden den Vorzug erhalten, die gleichzeitig impfberechtigt würden:

 

Eine Gruppe bilden Menschen, die das höchste Risiko für einen schweren oder tödlichen Verlauf einer Covid-19-Erkrankung haben. Dieses Risiko steigt mit jedem Lebensjahrzehnt dramatisch an, bei Menschen über 80 Jahren ist es am höchsten. Besonders gefährdet sind auch Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen, unabhängig vom Alter, beispielsweise akut Krebskranke oder Diabetes-Patienten. Die verschiedenen Risikofaktoren können genau gegeneinander abgewogen werden, weil es inzwischen gute Studien dazu gibt, welche Konstellationen besonders gefährlich sind.

 

Die zweite Gruppe bilden Menschen, die sich um Covid-19-Kranke  und Gefährdete kümmern und sich dadurch hohen Risiken für die eigene Gesundheit aussetzen, etwa das Personal in der Alten- und Gesundheitspflege oder Ärzte und Pflegepersonal in Krankenhäusern. Und jene, die das Virus auch von außen hineintragen könnten in Einrichtungen mit höchst gefährdeten Menschen.

 

Schließlich jene, die so wichtige Aufgaben für das Gemeinwesen haben, dass sie zur Aufrechterhaltung des gesellschaftlichen Lebens unbedingt notwendig sind, etwa Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gesundheitsämter, Feuerwehr, Polizei sowie Lehrerinnen und Erzieher.

 

Die genaue Entscheidung, wer zu den genannten Gruppen gehören soll, wird die Stiko veröffentlichen, wenn der erste Impfstoff auf europäischer Ebene zugelassen ist. Denn erst dann ist klar, wie viele Dosen zur Verfügung stehen und ob die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) in Amsterdam für den zugelassenen Stoff besondere Empfehlungen für einzelne Bevölkerungsgruppen herausgibt. Die Hamburger Gesundheitsbehörde etwa rechnet damit, dass dies Ende des Jahres so weit sein könnte.

Das Bundesgesundheitsministerium arbeitet an einer Rechtsverordnung, in der festgelegt werden soll, wer genau Anspruch auf eine Impfung haben wird. Der Entwurf liegt ZEIT ONLINE vor. Danach soll die Verordnung nach einer Abstimmung mit den Ländern und der Stiko am 15. Dezember in Kraft treten.

Wie erfahre ich, ob und wann ich geimpft werden kann?

Das hängt davon ab, wie die Gruppe der Hochrisikopatienten letztlich definiert wird. Wenn es ausschließlich nach Alter geht, lässt sich das vergleichsweise leicht organisieren, denn die Geburtsdaten aller Einwohnerinnen und Einwohner sind im Einwohnermeldeamt registriert – und sie stehen auf dem Personalausweis. Die Hamburger Gesundheitsbehörde wird voraussichtlich alle Menschen dieser Altersgruppe anschreiben.

 

Schwieriger wird es bei Menschen, die jünger sind, aber schwer vorerkrankt, Patienten mit einer akuten Krebserkrankung oder schwerem Diabetes beispielsweise. Denn über den Gesundheitszustand der Bürger weiß der Staat nicht Bescheid. Solche Menschen brauchen ein Attest ihres Arztes, das heißt, sie müssen sich selbst darum kümmern, wenn sie die grundsätzliche Impfberechtigung haben.

Doch der Weg über ärztliche Atteste wird nicht von jedem gern gesehen, Kritiker fürchten Mogeleien und unfaire Freundschaftsdienste. Gefragt sein könnten deshalb auch die Krankenkassen. Sie verfügen über Abrechnungsdaten, anhand derer Risikopatienten identifiziert werden könnten. Allerdings kommen dann Datenschutzfragen ins Spiel.

Wie wird die Terminvergabe organisiert?

Die Kassenärztlichen Vereinigungen betreiben unter der Servicetelefonnummer 116117 ein System, mit dem schon jetzt Termine in Arztpraxen vergeben werden oder auch Termine für einen Corona-Test per PCR-Abstrich. Da diese Nummer vielen Menschen geläufig ist, soll dieses System ausgebaut und mit einer einfachen, weiteren Weiche ausgestattet werden. Dann läuft da ein Tonband nach dem Motto: "Wenn Sie einen Impftermin möchten, wählen Sie diese oder jene Nummer." Zusätzlich soll es die Möglichkeit geben, am Rechner oder per App am Smartphone Impftermine zu buchen.

Zuständig für die Terminvergabe sind allerdings die Länder. Sie können das System nutzen oder eigene Callcenter aufbauen. Das ist beispielsweise in Hamburg vorgesehen. In Bayern gibt es Planungen, über die Landkreise einzuladen.

Wie lange muss ich warten? Wie werden lange Schlangen und Menschenaufläufe verhindert?

Geplant ist, dass niemand sich in eine lange Warteschlange einreihen soll, sondern vorab Termine vergeben werden. Die Wartezeiten sollen möglichst kurz gehalten werden und die Warteräume möglichst großräumig sein, damit sich nicht dort jemand infiziert.

Was kostet mich die Impfung?

Nichts. Der Bund bezahlt die Impfstoffe. Die Länder sowie die gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen teilen sich die Kosten für den Aufbau und Betrieb der Impfzentren. Wenn in einer späteren Phase im kommenden Jahr Hausärzte ihre Patienten impfen, übernehmen wie üblich die jeweiligen Krankenversicherungen die Kosten.

Kann man sich eine Impfung auch kaufen?

Wer darauf spekuliert, sich eine Impfung am System vorbei zu kaufen oder gleich mehrere der angekündigten Impfstoffe zu nutzen, wird wohl enttäuscht werden. Der Staat will die Vergabe bis ins kommende Jahr hinein streng regulieren. Um das Virus zurückzudrängen, müssen möglichst viele Impfwillige versorgt werden – und das nicht nur hierzulande, sondern auch in anderen, ärmeren Ländern.

Welche Impfstoffe werden verwendet?

Wie schnell welche Impfstoffe in Deutschland eingesetzt werden können, hängt zunächst davon ab, wann ein Stoff durch die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) zugelassen wird. Sie prüft, ob der Impfstoff wirksam und verträglich ist. An dieser Prüfung sind auch Expertinnen und Experten der nationalen Arzneimittelbehörden Europas beteiligt, darunter das deutsche Paul-Ehrlich-Institut.

 

Die EMA hat angekündigt, den Antrag der Unternehmen BioNtech und Pfizer möglichst schnell zu bearbeiten. Das wissenschaftliche Komitee der EMA wird sehr schnell abschließend über diesen Impfstoff beraten, voraussichtlich noch vor Weihnachten. Ebenfalls geprüft wird die Zulassung des Impfstoffs der Firma Moderna. Die Zulassung beantragt haben zudem die Universität Oxford und AstraZeneca. Weitere acht Impfstoffe sind derzeit in der Phase III der Entwicklung, nach der eine Zulassung beantragt werden kann.

Geimpft wird zunächst mit den Impfstoffen, die nach der EMA-Prüfung als erstes zur Verfügung stehen. Die EU und auch Deutschland haben schon Lieferverträge mit AstraZeneca, BioNtech-Pfizer, Curevac, Johnson & Johnson, Moderna und Sanofi-GSK geschlossen. So sollen eine schnelle Lieferung und günstige Konditionen sichergestellt werden. Die EU wird die Impfstoffe nach Bevölkerungsgröße unter den Mitgliedsländern aufteilen.

Wie wird der Impfstoff gelagert?

Der Impfstoff soll zunächst an 27 zentrale Lager im ganzen Land geliefert werden. Wo diese Lager sind, legt das Bundesgesundheitsministerium nicht offen. Von dort soll er dann an die zentralen Impfzentren, Kreisimpfzentren und mobile Impfteams verteilt werden. An allen Standorten muss es gesicherte Räume zur Lagerung geben.

 

Mindestens der mRNA-Impfstoff von BioNtech und Pfizer wird am Anfang Temperaturen unter minus 70 Grad Celsius zur Lagerung brauchen. Dafür sind besondere Kühlschränke nötig, die in den zentralen Lagern aufgebaut werden müssen. Die Impfstoffe werden zudem voraussichtlich in Behältern mit etwa 1.000 Impfdosen geliefert. In die Impfzentren kann der Stoff in Behältern mit Trockeneis geliefert werden, so ist er fünf Tage lang haltbar. Mobile Impfteams brauchen tragbare Kühlgeräte, um den Impfstoff zu transportieren. Andere Impfstoffe benötigen diese tiefen Temperaturen nicht.

Außerdem müssen Impfbesteck wie Spritzen und Kanülen und gegebenenfalls Lösungsmittel eingekauft und eingelagert werden. Schließlich muss Schutzausrüstung für die Mitarbeitenden der Impfzentren vorhanden sein. Die Impfstoffe werden zentral durch das Bundesgesundheitsministerium beschafft und verteilt. Das andere Material müssen die Länder und die Kreise bereitstellen.

Wie geht es weiter im Laufe des nächsten Jahres?

Der erste Schwung an Impfungen soll auch deshalb in den Zentren vorgenommen werden, um Wildwestsituationen auf dem Impfstoffmarkt zu verhindern. Dann aber soll das Impfen nach und nach in die Arztpraxen verlegt werden, so wie es beispielsweise bei Grippeimpfungen üblich ist.

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