Deutschland-Boom konzentriert sich auf Küste und Berge

Vom Touristenboom nichts zu sehen

Urlaub in Deutschland


An den Küsten und in den Alpen drängen sich in Corona-Zeiten die Touristen. Doch andere Regionen in Deutschland bekommen vom Ferientrend kaum etwas ab. Warum eigentlich nicht?

 

Auch wenn es an Schönheit seinesgleichen sucht: So viele Urlauber wie die Nord- und Ostseestrände lockt das Weltkulturerbe Mittelrheintal selbst in coronafreien Jahren nicht an. Wenn es heißt, das Binnenland ziehe im Coronajahr weniger als Strände und Alpen, dann hinkt der Vergleich: Denn das war immer so. Dennoch hätte Natalie Bast, leitende Angestellte des Campingplatz Loreleyblick, erwartet, dass sie auch hier am Rhein etwas stärker von den vielen Deutschlandurlaubern profitieren würde. Der schöne ruhige Platz liegt direkt am Rhein. Sogar in der ersten Reihe, direkt am Wasser sind ein paar Lücken. 

 

"Wir haben keine Dauercamper," sagt Bast. "Bei uns braucht man auch nicht unbedingt zu reservieren, wir schicken trotzdem niemanden weg." In diesem Sommer sowieso nicht, denn ab Reihe zwei lichten sich die Reihen der Wohnmobile ganz erheblich. Von den 360 Plätzen sind derzeit - und in Rheinland-Pfalz sind schon Sommerferien - ganze 130 belegt. "Hat ja auch was für sich, denn bei uns lassen sich die Mindestabstände ganz bequem einhalten", sagt die Campingplatzmitarbeiterin und es klingt nicht einmal ironisch. "Neidisch auf die anderen Regionen sind wir nicht, aber klar würden wir uns auch wünschen, etwas mehr von dem Boom 'Urlaub im eigenen Land' zu profitieren.

 

Ganz voll sei der Platz auch sonst nur selten, doch im Vergleich zum Vorjahr seien es jetzt deutlich weniger Camper. Die Leute hätten wohl noch Angst, ihre gewohnte Umgebung zu verlassen. Gerade viele Stammgäste, die schon etwas älter sind, gehörten zur Risikogruppe, da könne man das schon verstehen. 

 

"Dramatischer Einbruch"

"Es wäre schön, wenn wir die Touristen etwas ins Binnenland umleiten könnten", meint Dirk Dunkelberg vom Deutschen Tourismusverband (DTV). Das würde nicht nur die Strände im Norden entlasten, sondern auch allen anderen Regionen guttun. Er bestätigt den Urlaubsboom an Nord- und Ostsee sowie in den bayerischen Voralpen. "Im Landesinneren ist es ausgedünnt." Auch wenn noch keine genauen Zahlen vorliegen, spricht er von einem "dramatischen Einbruch".

 

Bei den Gästeübernachtungen hat das Statistische Bundesamt für die ersten fünf Monate ein Minus von 75 Prozent ermittelt. "Das lässt sich im Rest des Jahres nicht mehr ausgleichen," so Dunkelberg, "die bislang weniger bekannten Urlaubsregionen punkten weitaus weniger als die Top-Spots von dem Urlaub-im-eigenen-Land-Trend." 

 

Auch Porta Nigra und Karl Marx locken zu wenig Gäste an: Keineswegs unbekannt, aber weitab von den besagten Top-Spots liegt Trier. Als eine der ältesten Städte Deutschlands ist die Marx-Stadt sonst das ganze Jahr über gut besucht. Im Moment sehe es hier, während der schönsten Ferienzeit, aber aus wie in anderen Jahren im Februar, sagt Hotelier Peter Brommenschenkel. Sein Romantikhotel "Zur Glocke" sei bei Weitem noch nicht wieder so gut frequentiert, wie sonst üblich. "Wir sind bei 50 bis 60 Prozent vom Umsatz", sagt er, "an den Wochenenden geht es, unter der Woche nicht."

 

Hier fehlten vor allem die Asiaten und US-Amerikaner, neben den deutschen "hochwertigen Individualtouristen", die gerne auch mal drei bis sieben Tage in Trier blieben. Einige seiner Mitarbeiter müsse der Hotel- und Restaurantbesitzer immer noch in Kurzarbeit lassen. Brommenschenkel glaubt fest an das Herbst- und Weihnachtsgeschäft. "Wir haben einen wunderschönen Weihnachtsmarkt in Trier, wenn der wieder stattfinden darf, können wir im Herbst und Winter vielleicht ein gutes Geschäft machen."

 

Die Niederländer fehlen

Von Weihnachten profitiert der Campingplatz Loreleyblick und Bast wohl eher nicht. Hier sind es vor allem die Niederländer, die fehlen, und zwar jetzt, im Sommer. "Wir sind ja froh, dass wir überhaupt wieder öffnen konnten", sagt die leitende Angestellte. Die zwei Monate, als sie keine Camper auf den Platz lassen durften hätten den Angestellten schon Angst gemacht. Jetzt hätten sie schon ein viel besseres Gefühl, weil wieder Einnahmen reinkommen. 

 

Angst vor der zweiten Welle

Die große Angst, wie überall in der Touristikbranche und der Gastronomie, ist, auch hier am Rhein, die mögliche zweite Corona-Welle. "Wir möchten auf keinen Fall nochmal schließen müssen", so Bast, "deshalb halten wir auch die Coronaregeln für sehr wichtig."

 

Das sei "ein ganz wichtiges Argument für Urlaub in Deutschland, auch für ausländische Besucher", meint Dunkelberg vom DTV. Für viele Menschen spiele der Sicherheitsaspekt immer noch die entscheidende Rolle. In Deutschland werde sehr viel Pandemievorsorge betrieben, gerade deshalb hofft er, dass bald wieder mehr Besucher hierher kommen.

 

Und einen "Geheimtipp" hat er auch noch auf Lager: Städtetouren. Weil noch viele Touristen aus dem Ausland fehlten und gleichzeitig weder Messen noch Kongresse stattfänden, seien auch die Städte leer. Gemütlichere Stadtbummel als in diesem Sommer, werden möglicherweise nie wieder möglich sein.



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