Vibrionen-Infektionen an der Ostsee?

Möglicher Infektionsalarm in der Ostsee

Wegen Klimawandel und steigender Temperaturen


Durch den Klimawandel steigen die Wassertemperaturen im Meer. Dadurch vermehren sich für den Menschen gefährliche Bakterienarten. Diesen Sommer könnte es wieder mehr Vibrionen-Infektionen geben.

 

Die Ostseeküste ist derzeit beliebtes Reiseziel. Weil der Fernurlaub wegen der Corona-Pandemie als Risiko gilt, zieht es dieses Jahr besonders viele Urlauber ans Meer nach Norddeutschland. Auch am Strand gilt: Abstand halten. Doch auch im Wasser können sich Badende infizieren - allerdings nicht mit dem Coronavirus, sondern mit sogenannten Vibrionen.

 

Diese Bakterien können besonders für Menschen mit einem geschwächten Immunsystem oder bestimmten chronischen Krankheiten gefährlich werden. Bei niedrigen Temperaturen leben die Vibrionen im Meeresboden. Ein Temperaturanstieg des Gewässers auf mehr als 20 Grad begünstigt allerdings Wachstum und Ausbreitung der Bakterien.

 

Weil der Klimawandel für wärmere Durchschnittstemperaturen und Hitzewellen sorgt, könnte die Zahl sommerlicher Vibrionen-Infektionen in den kommenden Jahren vor allem an der Ostseeküste weiter zunehmen. Grund dafür sind laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) steigende Wassertemperaturen etwa der Meere und in Flussmündungen. Sie erleichtern den salztoleranten Bakterien die Ausbreitung.

 

Wassertemperatur von mehr als 20 Grad erwartet

Noch liegt die aktuelle Wassertemperatur in der Ostsee bei nur zwölf Grad, doch bis Ende Juni könnte die Wassertemperatur auf mindestens 20 und im Juli sogar über 20 Grad steigen.

 

"Vibrionen vermehren sich ab Wassertemperaturen von 20 Grad verstärkt", sagte Eckhard Strauch, Leiter des Konsiliarbüros für Vibrionen des BfR. Besonders in der Ostsee, die bislang eher kühl sei, könnte die Gefahr steigen.

 

Hinzu komme, dass die Salzkonzentration in der Ostsee moderat sei. "Gerade für die beiden Vibrionen-Spezies, die besondere Probleme verursachen, Vibrio vulnificus und Vibrio cholerae non-O1, sind die Bedingungen hier günstig", so Strauch.

 

Vibrionen sind an der gesamten Ostseeküste bis in den baltischen Raum verbreitet und ein natürlicher Bestandteil salzhaltiger Gewässer. In Teilen leben diese Bakterien auch in der Nordsee. Ihre Ausbreitung zu verhindern, ist allerdings kaum möglich, heißt es in einem Bericht des Umweltbundesamts.

 

Vibrionen-Infektion: Schmerzen, Fieber und Schüttelfrost

In den vergangenen Jahren lag die Zahl bekannter Erkrankungen in Deutschland laut Strauch im ein- oder niedrigen zweistelligen Bereich. Wie viele Menschen sich in diesem Jahr infizieren werden, hänge vom Wetter ab. Nach Einschätzung der Weltwetterorganisation (WMO) mit Blick auf die ersten Monate könnte das Jahr neue Temperaturrekorde bringen. Die Organisation hält einen weiteren Hitzesommer in der nördlichen Hemisphäre für möglich.

 

Junge und gesunde Erwachsene erkranken laut Robert Koch-Institut (RKI) nur selten an einer Vibrionen-Infektion. Gefährlich sind die Bakterien vor allem für ältere sowie immungeschwächte Personen. Menschen mit Vorerkrankungen wie Diabetes, Lebererkrankungen oder Krebs hätten ein erhöhtes Risiko für eine Erkrankung und einen schweren Krankheitsverlauf.

 

Vereinzelt kam es in den vergangenen Jahren zu Todesfällen. Vibrionen können schwere Wundinfektionen auslösen, Symptome sind etwa starker lokaler Schmerz, Fieber und Schüttelfrost. Wer mit Vibrionen kontaminierte Meeresfrüchte isst, die roh oder nur wenig gegart sind, oder kontaminiertes Meereswasser schluckt, kann sich eine Magen-Darm-Erkrankung zuziehen. Behandelt werden die Infektionen in der Regel mit Antibiotika. 



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