Corona-Sommerurlaub 2020: in welche Länder kann man reisen?

Reisen in Zeiten von Corona

Wo der Sommer-Urlaub dieses Jahr noch möglich sein könnte – und wo nicht


Ob und wohin wir in diesem Sommer reisen können, ist unklar. Denn nach wie vor gibt es Ausgangsbeschränkungen und Grenzschließungen. Ist der Sommerurlaub 2020 also verloren? Wir geben einen Überblick, wie es derzeit um unsere europäischen Lieblingsziele steht – in einigen Fällen gibt es Hoffnung.

 

Können wir dieses Jahr einen Sommerurlaub machen? Wenn ja, wo? Das fragen sich derzeit viele Deutsche in dieser schweren Zeit des Lockdowns. Eine klare Antwort darauf gibt es leider im Moment nicht – dazu müsste man hellsehen können. Dennoch lassen sich Einschätzungen vornehmen.

 

Weltweite Reisewarnung bis 14. Juni

Vor nicht notwendigen, touristischen Reisen in das Ausland wird derzeit gewarnt - bis 14. Juni. Das schreibt das Auswärtige Amt. Grund: Man geht weiterhin von starken drastischen Einschränkungen im internationalen Luft- und Reiseverkehr, weltweiten Einreisebeschränkungen, Quarantänemaßnahmen und der Einschränkung des öffentlichen Lebens in vielen Ländern auszugehen ist. 

Damit sind die Pfingstferien in einzelnen Bundesländern, aber noch nicht die Schulferien im Sommer betroffen, die erst ab 22. Juni beginnen.

Maas und Tui zum Sommerurlaub

Bundesaußenminister Heiko Maas geht nicht davon aus, dass wir mit einem normalen Sommerurlaub ohne Einschränkungen rechnen können. „Eine normale Urlaubssaison mit vollen Strandbars und vollen Berghütten wird es diesen Sommer nicht geben können“, sagte er in einer Videokonferenz mit Kollegen aus Österreich, der Schweiz, Luxemburg und Liechtenstein. Dennoch schließt er nicht aus, dass die Grenzen sich im Sommer wieder öffnen und Urlaub mit Einschränkungen möglich sein könnte.

 

Aber: Tui-Chef Friedrich Joussen will so bald wie möglich wieder Urlaubsreisen in den Mittelmeerraum anbieten. „Wir haben einen Gesundheitscheck für alle Urlaubsziele ausgearbeitet und werden Urlaub nur dort anbieten, wo er auch sicher ist. An erster Stelle steht dann sicherlich Mallorca. Die Hotels dort haben einen Probelauf gemacht, können sofort starten und Gäste aufnehmen“, sagte er der „Bild am Sonntag“. Auch Griechenland, Zypern, Kroatien, Bulgarien, Österreich und Dänemark seien gut auf den Sommertourismus vorbereitet. Allerdings: „Zunächst muss Deutschland die Grenzen öffnen“, sagte Joussen.

 

 

 

Ob wir ins Ausland reisen können, hängt von der Lage in den jeweiligen Staaten ab. Bei folgenden Ländern in Europa, die am stärksten von Corona betroffenen sind, zeichnet sich jetzt schon ab, dass dort vermutlich kein Sommerurlaub für ausländische Gäste stattfinden kann:

 

Spanien

Mit mehr als 223.000 Infizierten und mehr als 26.000 Toten ist die iberische Halbinsel laut den Zahlen der Johns-Hopkins-Universität am stärksten in Europa von Corona betroffen. Die Regierung in Madrid warnte deshalb bereits davor, den Tourismus vor Ende des Jahres wieder in Gang zu setzen.

 

Das Urlaubsland geht daher regional unterschiedlich vor: Die Balearen mit der Hauptinsel Mallorca, das Baskenland und andere Regionen beginnen "Phase 1" der Normalisierung. Hotels, Restaurants und Bars im Freien dürfen wieder öffnen. In anderen Regionen wie Katalonien oder Valencia sind Lockerungen nur begrenzt erlaubt. Die Hauptstadt Madrid und Barcelona bleiben in "Phase 0" mit strikter Ausgehsperre.

 

 

Italien

Allmählich verbessert sich die Lage in Italien. Dennoch liegt das Land mit mehr als 218.000 Infizierten und mehr als 30.000 Toten nach den USA und Spanien auf Platz drei der am meisten betroffenen Länder weltweit. Zwar hat Italien ab 4. Mai für Bürger Lockerungen eingeführt. Dass sich das Land allerdings zum Sommer für den Tourismus öffnet, ist eher unwahrscheinlich.

 

 "Wir können erst öffnen, wenn es absolute Sicherheit gibt. Wer will sich schon an den Strand legen, wenn er Angst vor Ansteckungen hat", sagte zum Beispiel Mauro Vanni vom Verband der Badeanstalten in der Urlaubsstadt Rimini.

 

 

Frankreich

Fast 177.000 Infizierten und mehr als 26.000 Toten nimmt Frankreich Platz sechs im weltweiten Corona-Ranking ein. Da dort noch strenge Ausgangsbeschränkungen herrschen, ist eher weniger mit Sommerurlaub zu rechnen. Der französische Gesundheitsminister Olivier Véran ließ außerdem verlauten, dass eine Pandemie nicht die richtige Zeit sei, um über Mobilität nachzudenken.

 

 Aktuell gilt: Wer mehr als 100 Kilometer (bisher: 1 Kilometer) weit weg will, braucht einen triftigen Grund. In der Pariser Metro haben zu Stoßzeiten Fahrgäste mit Bescheinigung der Arbeitgeber Vorrang. In öffentlichen Verkehrsmitteln gilt jetzt Maskenpflicht. Allerdings will die Staatsbahn SNCF, wenn möglich, den Zugverkehr im Sommer wieder nach Plan laufen lassen.

 

An den Grenzen zu den Staaten des Schengen-Raums und zu Großbritannien soll es noch bis mindestens 15. Juni weiter bestimmte Reisevorgaben geben, sagte Innenminister Christophe Castaner. Die Grenze zu Nicht-EU-Ländern bleibt bis auf weiteres geschlossen. Strände können auf Antrag der Präfekten öffnen - eigentlich sei die allgemeine Regel aber eine Schließung bis Anfang Juni.

Hier ein Überblick über andere Urlaubsländer in Europa:

Österreich

Die österreichische Regierung kann sich eine Öffnung der Grenzen für Sommerurlauber aus Deutschland unter bestimmten Bedingungen vorstellen. Das hängt natürlich von der Entwicklung der Lage in Deutschland ab. Österreichs Kanzler Sebastian Kurz zeigte sich diesbezüglich optimistisch. Er hält auch eine Wiederaufnahme des internationalen Flugverkehrs mittel- und langfristig zuerst zwischen Staaten mit einer erfolgreichen Anti-Corona-Strategie für möglich.

 

Kurz sagte, dass er mit einem Szenario rechne, dass international Staaten ihre Grenzen zueinander wieder öffnen werden, die das Virus besiegt oder ganz niedrige Ansteckungszahlen hätten. „Wie ein Club, bei dem man nur dabei sein kann, wenn keine Gesundheitsgefährdung gegeben ist“, so seine Worte. Wann genau solche Schritte umgesetzt werden können, sei aber noch unklar.

 

Derzeit darf niemand ohne triftigen Grund nach Österreich ein- und ausreisen. Wer aus beruflichen oder anderen zwingenden Gründen einreist, muss ein ärztliches Zeugnis, das nicht älter als vier Tage ist, vorweisen. Wenn österreichische Staatsbürger sowie Personen mit Haupt- oder Nebenwohnsitz oder gewöhnlichem Aufenthalt in Österreich einreisen, müssen sie sich 14 Tage in häusliche Quarantäne begeben und dies per Unterschrift bestätigen.

 

 

Schweiz

Seit Ende März sind die Schweizer Grenzen dicht - mit Ausnahme des Fürstentums Liechtenstein. Das gilt nach jetzigem Stand bis zum 15. Juni. Dennoch führt die Schweiz zum Ende des Monats Lockerungen ein und fährt das öffentliche Leben langsam wieder hoch.

 

Das bedeutet aber zunächst noch keine Öffnung der Grenzen zu touristischen Zwecken. Ob Einreisen in die Schweiz im Sommer möglich sind, ist daher ungewiss.

 

 

Kroatien

Seit 19. März 2020 herrscht in Kroatien eine generelle Einreisesperre für Touristen. Aber: Reisen im Inland werden erleichtert, bleiben aber eingeschränkt. Der öffentliche Fernverkehr und Inlandsflüge werden wieder aufgenommen.Ausgenommen sind kroatische Staatsangehörige sowie Menschen, die beruflich ins Land müssen.

 

Im Sommer will Kroatien wieder öffnen – zunächst aber nur für Urlauber aus Tschechien."Wir haben schon mit Tschechien besprochen, dass sie ihre Vorschläge machen und wir unsere", sagte Tourismusminister Gari Cappelli. Eine Initiative zur Schaffung von "Tourismus-Korridoren" nach Kroatien war bereits Anfang des Monats von tschechischen Reiseveranstaltern ins Leben gerufen worden.

 

Tschechische Touristen müssten dazu aber einen Nachweis erbringen, dass sie nicht mit dem Coronavirus infiziert sind. Dann könnten sie per Flugzeug oder mit dem Auto nach Kroatien reisen.

 

Ein ähnliches Modell könnte möglicherweise auch für österreichische und ungarische Touristen gelten. Von deutschen Touristen ist aber bis dato noch nicht die Rede.

 

 

Niederlande

Trotz Corona finden zwischen Deutschland und den Niederlanden keine Grenzkontrollen statt. Dennoch sind Touristen derzeit nicht erwünscht. Auch in den Niederlanden sind Restaurants, Strandlokale, Museen und viele Geschäfte bis zum 28. April geschlossen. So sind beispielsweise in Provinzen Zeeland, Twente und Rijnmond-Rotterdam Übernachtungen zu touristischen Zwecken verboten.

 

Landesweit sind teilweise öffentliche Plätze, Parkplätze und Strände gesperrt. Das gilt auch für viele Campingplätze. Bei geöffneten Campingplätzen sind die Sanitäranlagen geschlossen. Wer laut Auswärtigem Amt über Flughäfen aus deutschen Risikogebieten wie Bayern und Baden-Württemberg kommt, braucht ein Gesundheitszeugnis und muss sich bei Ankunft zwei Wochen in Quarantäne begeben.

 

 

Schweden

Das skandinavische Land geht in punkto Corona einen Sonderweg und hat keinen strengen Lockdown des öffentlichen Lebens eingeführt. Das heißt, Hotels und Campingplätze sind offen.

 

Dennoch muss jeder laut Auswärtigem Amt mit Einreisekontrollen und Gesundheitsprüfungen, aber auch Einreisesperren rechnen. Da aber auch in Schweden die Infektionszahlen ansteigen, ist nicht klar, ob das Land nicht doch künftig strengere Maßnahmen einführen wird.

 

 

Dänemark

In Dänemark ist die Corona-Pandemie bislang relativ glimpflich verlaufen. Es wurden rund 7900 Infektionen und 364 Todesfälle registriert. Dennoch hält das Land seit 14. März seine Grenzen geschlossen und hat einen Einreisestopp verhängt - dieser gilt weiterhin. Die Regierung will aber bis spätestens 1. Juni neue Informationen dazu veröffentlichen.

 

Derzeit lockert das Land seine Corona-Regelungen: Nachdem Grundschulen und Kitas ihren Betrieb vergangene Woche wieder aufnahmen, sind seit Montag auch wieder kleine Betriebe wie Friseursalons oder Tattoo-Studios geöffnet. Weiterführende Schulen sowie Restaurants und andere Lokale sollen erst ab 11. Mai wieder öffnen dürfen. Um diese Lockerungen zu ermöglichen, dringen die dänischen Behörden auf die strikte Einhaltung von Schutzvorkehrungen wie Abstands- und Hygieneregeln.

 

 

Griechenland

Die Infektionsrate in Griechenland ist aktuell mit zirka 2200 Fällen und 116 Todesfällen relativ niedrig. Das liegt daran, dass das Land aus Angst vor einer unkontrollierbaren Lage bereits am 23. März einen Lockdown durchgeführt hat. Es herrscht eine strenge Ausgangssperre, die noch bis zum 27. April anhält. Bei Verstößen drohen Geldstrafen. Eine Einreise nach Griechenland zu touristischen Zwecken ist derzeit nicht möglich.

 

Dennoch hofft das Land sich im Sommer für den Tourismus wieder öffnen zu können. Wie der griechische Minister für Wirtschaftsentwicklung und Investitionen Adonis Georgiadis verlauten ließ, arbeiteten bereits viele Reiseveranstalter daran, Touristen nach Griechenland zu bringen. Er hoffe, dass das Land dank seines positiven Images und seines erfolgreichen Corona-Managements in diesem Jahr ein größeres Stück vom ohnehin kleinen Tourismuskuchen abbekommen könne, zitiert der "Greek Reporter" den Staatsmann. Ob und wann sich Griechenland tatsächlich für den Tourismus öffnet, ist aber noch alles andere als klar.

 

 

Türkei

In der Türkei gibt es ein Einreiseverbot für mehrere von Covid-19 betroffenen Staaten, dazu gehört auch Deutschland. Im Land herrscht eine Ausgangssperre für chronisch Kranke und Menschen über 65 und unter 20 Jahren. Auch der internationale Flugverkehr wurde weitgehend eingeschränkt.

 

Dennoch kommen aus der Türkei zuversichtliche Töne. Europa sei schon wieder auf dem Weg zur Besserung, so dass Gäste noch im Juni langsam wieder mit dem Reisen beginnen könnten, sagt Osman Ayik von der Türkischen Hotelföderation.

 

Allerdings sprechen die schnell steigenden Infektionszahlen eine andere Sprache: Mittlerweile gibt es mehr als 137.000 Infizierte im Land - mehr als 3700 Menschen sind bereits gestorben.

 

Maas mahnt für Urlaubssaison zu Vorsicht

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) hat mit Blick auf die kommende Urlaubssaison zur Vorsicht gemahnt. "Es darf nicht passieren, dass Menschen in einen Urlaubs-Hotspot fahren, der auch ein Infektions-Hotspot ist, und wieder zurückkommen und das Virus wieder einschleppen", sagte er am Donnerstag der "Bild"-Zeitung. Dies müsse unterbunden werden.

 

Gleichwohl sieht Maas auch Grund zum Optimismus: "Es gibt Chancen für Sommerurlaub - aber der wird anders sein." So hoffe er, dass im August keine Reisewarnungen mehr ausgesprochen werden müssten. "Möglicherweise wird das aber sehr unterschiedlich sein", abhängig vom Infektionsgeschehen in den einzelnen Ländern. Darüber gebe es derzeit Gespräche auf europäischer Ebene.

 

FTI, TUI und Alltours verlängern Reisestopp bis Mitte Mai

Die Reiseveranstalter TUI, FTI und Alltours verlängert den Stopp aller Reisen bis zum 15. Mai. Das teilten die Unternehmen am Freitag mit. Bislang hatten TUI und FTI nur Reisen bis zum 3. Mai abgesagt, Alltours bis Ende April. "Gäste, deren Urlaub damit leider nun nicht mehr stattfinden kann, erhalten in den kommenden Tagen schriftlich von uns alle Informationen zur Stornierung", sagte FTI-Chef Dietmar Gunz.

 

Bei TUI hieß es, man bereite sich auf den Neustart des Tourismussektors vor. "Zwar ist heute noch nicht klar, wann Reisen wieder beginnen können", sagte der Geschäftsführer für Vertrieb und Marketing, Hubert Kluske. "Allerdings haben wir schon heute die Gewissheit, dass die Deutschen wieder reisen wollen, sobald dies möglich ist". Sobald einzelne Länder grünes Licht gäben, sei TUI in der Lage, Reisen dorthin anzubieten. "Wir gehen davon aus, dass wir im Hochsommer wieder Gäste in verschiedene Urlaubsziele fliegen werden."

 

Alltours erklärte, man hoffe, "dass nach dem 15. Mai zunächst der Tourismus mit Individualanreise in Deutschland wieder langsam beginnen kann".

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