Nach Corona wird Urlaub wieder zum Luxus werden

Reisen wird wieder Luxus

Tourismus nach der Coronakrise


Das Coronavirus wird Reisen wohl teurer und damit auch klimafreundlicher machen: Den Billigflug zu Kampfpreisen wird es so bald nicht mehr geben.

Flugzeug am blauen Himmel von unten fotografiert
Ein selten gewordener Anblick: ein Flugzeug am Himmel

Flugtickets könnten mehr kosten, Hotels die Preise erhöhen - Reisen wird, wenn es dann wieder geht, voraussichtlich teurer. Und das nicht, weil Politik und Unternehmen endlich wagen, Zuschläge für klimafreundlicheres und sozial verträgliches Wirtschaften zu verlangen. Nicht, weil endlich Konsequenzen aus der Klimadiskussion der vergangenen Monate gezogen werden. Sondern weil die Gefahr der Ansteckung mit dem Coronavirus das Platzangebot verknappt: Abstand halten ist teuer.

 

 

Billig ist: viele Menschen auf wenig Raum. Also wenig Fußraum und keine Ellbogenfreiheit im Flugzeug. Büffets und viele Liegen am Pool in All-inclusive-Resorts. Tausende Passagiere auf einem Schiff.

Teuer und damit Luxus ist: viel Raum und Platz. Also Klappbetten in der First-Class. Große Hotelsuiten und private Dinner. Das Separee auf dem Expeditionsschiff.

 

Und so wird Reisen wieder zum Luxus: Leere Sitzreihen zur Ansteckungsprophylaxe in Flugzeugen und Bahnen bedeuten unverkaufte Tickets - und zunächst einen Verlust, der mit teureren Plätzen wieder hereingeholt werden muss. Würde eine möglicherweise angeordnete "Entdichtung" umgesetzt werden, dann geht der internationale Verband der Fluggesellschaften (IATA) davon aus, dass die Passagierzahlen um ein Drittel sinken und die Ticketpreise um die Hälfte steigen könnten. Letztlich würde dies aber durch Angebot und Nachfrage bestimmt, sagt IATA-Chef Alexandre de Juniac.

Reisen wird künftig wieder mehr Wert haben

Luxus kann, so traurig das ist, nachhaltiger, zumindest umweltschonender sein – und jetzt auch noch Pandemie-kompatibler. Nicht umsonst setzen schon viele Länder auf Reisen für Betuchte. Neuseeland zum Beispiel, Bhutan schon lange oder Botswana und Tansania. Backpacker sind immer weniger erwünscht, Angebote für Luxusreisen werden willkommen geheißen. Umso mehr Geld bleibt bestenfalls im Land und bei Einheimischen, umso umweltfreundlicher kann gebaut und gewirtschaftet werden.

 

Reisen wird also wieder mehr Wert haben. Zumindest so lange, wie das Coronavirus sich verbreiten kann. Ob die Städtereise oder der Bauernhofurlaub ansteht, will abgewogen sein, vielleicht wird statt drei Trips nur noch einer möglich sein.

 

Das Nachsehen haben Menschen, die selbst für einen einzigen Trip künftig kein Geld haben. Jene, die ihren Urlaub an den Stränden von Mallorca oder Ibiza, in Resortanlagen in der Türkei oder Bulgarien genießen. Auch diese Reisen werden künftig teurer, für viele - gerade wenn sie vielleicht in Kurzarbeit waren oder gar ihren Job verloren haben - sogar unerschwinglich werden. Urlaub lässt sich zwar auch günstig und gut mit wenig Geld organisieren, doch Wandern und Radfahren, Jugendherbergen oder Zelten waren bisher für viele keine Option.

Zwei junge Frauen Teenager am Strand mit Handy beim Selfie machen.
Für einen Tag nach Malle fliegen, um Party zu machen - das wird wohl erst mal vorbei sein.

Urlaub wurde immer billiger

Jetzt also mehr Geld für das Gleiche. Der Flug nach Malle wird nicht mehr für 20 Euro zu haben sein. Vielleicht auch der Apartmenthotel-Urlaub in Antalya nicht mehr für 199 Euro pro Woche. Auch eine Kreuzfahrt – sollte es noch welche geben – wird mehr als ein paar Hundert Euro kosten.

 

Zum einen steigen die Preise, da die Kapazitäten sinken: bedingt durch mögliche Abstandsvorschriften für Hotels und Transportmittel, aber auch durch ein eventuell krisenbedingtes langsameres Wachstum der Unternehmen, wie etwa der Airline-Verband IATA befürchtet. Und zum anderen werden wohl die Verluste in diesem Jahr zu hoch sein, als dass auch künftig mit Kampfpreisen um Kunden geworben werden könnte.

 

Bisher wurden Preiserhöhungen, die etwa für umweltfreundlicheren Treibstoff, für gerechtere Löhne oder nachhaltige Lebensmittel nötig wären, von den meisten Reedereien und Veranstaltern für undenkbar gehalten. "Dem Kunden nicht vermittelbar", so lautete immer wieder die Begründung. Zugleich wurde der Urlaub vergleichsweise immer billiger, Overtourism unter anderem deshalb zum Problem.

 

Jetzt ist es das Virus Sars-CoV-2, das Reisen (wieder) teurer und wertvoller macht. Und erneut die Kluft zwischen denen aufmachen könnte, die sich Reisen noch leisten können, und jenen, bei denen das Einkommen dafür nicht reicht. Vielleicht schafft das Virus aber auch, was die Politik bisher nicht vermochte: mehr Klimaschutz durch weniger Flüge – und das nicht nur in den paar Wochen des weltweiten Lockdowns, sondern auch auf längere Sicht. 

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