Offene Grenze für deutsche Urlauber? Österreichs Tourismusministerin Köstinger ist optimistisch

Grenzöffnung für deutsche Urlauber möglich


Trotz Coronavirus-Pandemie könnten deutsche Urlauber möglicherweise schon im Sommer wieder nach Österreich kommen. Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) schließt das zumindest nicht aus. Wie sie sich das vorstellen könnte, erklärte sie in einem „Presse“-Interview. 

 

Der Tourismussektor drängt massiv darauf, die Grenzen für deutsche Urlauber zu öffnen. Bleiben die Grenzen nämlich zu, „dann wäre der Fremdenverkehr tot“, sagte der Tourismusforscher Andreas Reiter der „Kleinen Zeitung“ (Samstag-Ausgabe). Zwei Drittel der Tourismusbetriebe des Landes könnten das Ausbleiben der wichtigsten Gästegruppe, die mehr als die Hälfte der Umsätze bringe, nicht überleben.

 

„Wir müssen uns darauf einstellen, dass es in diesem Jahr eine andere Art von Urlaub geben wird. Aber dadurch, dass wir die Ausbreitung des Coronavirus relativ gut im Griff haben und als Bundesregierung schon Lockerungen der Maßnahmen Schritt für Schritt in Aussicht stellen können, planen wir durchaus auch, dass es im Sommer Ferientourismus geben wird“, sagte Köstinger der „Presse am Sonntag“.

 

Bilaterale Vereinbarung möglich

„Die Einschränkung der Reisefreiheit wird uns in den nächsten Monaten noch erhalten bleiben. Wenn Länder aber auch auf einem sehr guten und positiven Weg sind, wie beispielsweise Deutschland, dann gibt es durchaus auch die Möglichkeit, dass man sich bilateral einigt“, sagte Köstinger, ohne weitere Details zu nennen.

 

 

Köstinger: „Wir müssen uns darauf einstellen, dass es in diesem Jahr eine andere Art von Urlaub geben wird“

 

 

Derzeit lässt Österreich ausländische Staatsbürger nur mit einem negativen Coronavirus-Test ins Land, die Beherbergungsbetriebe sind behördlich geschlossen. Allerdings zimmern auch andere Länder bereits bilaterale Vereinbarungen für den Urlauberverkehr. So wird etwa eine Luftbrücke für tschechische Kroatien-Urlauber erwogen.

 

Kein Stichtag

Einen Termin für die Entscheidung über die Grenzöffnung wollte Köstinger nicht nennen. „Es gibt keinen Stichtag, es könnte ja zu weiteren Wellen der Infektion kommen. Und dann ist nicht auszuschließen, dass wieder weitreichende Maßnahmen getroffen werden müssen. Bis es Medikamente und einen Impfstoff gibt, werden wir uns auf massive Veränderungen einstellen müssen.“ 

 

Einen Plan für das stufenweise Hochfahren von Gastronomie und Tourismus solle es bis Ende April geben, so Köstinger. Dabei werde es „natürlich Auflagen geben“ wie etwa Abstands- und Hygieneregeln. Das sei notwendig, „bis wir einen Impfstoff zur Verfügung haben, mit dem wir das Virus bekämpfen können“, hatte Köstinger vergangene Woche gesagt. „Wir sind dabei, das auszuarbeiten.“

 

Drei Viertel aus dem Ausland

Da noch nicht bekannt ist, wann wieder ausländische Touristen kommen, die bisher für 75 Prozent der Übernachtungen sorgten, sollen sommerurlaubswillige Österreicher wenigstens etwas Abhilfe schaffen. Köstinger hatte damals an die Österreicherinnen und Österreicher appelliert, einen Heimaturlaub anzudenken, sollten sie im Sommer wegfahren wollen. 

 

Dass heuer Ferien in der Heimat vieles retten können, hält die Chefin der Österreich Werbung (ÖW), Petra Stolba, jedoch für unwahrscheinlich. „Man sieht schon, das geht sich nicht aus.“ Hinzu komme, dass auch etwa die Hälfte der Fachkräfte in der Branche aus dem Ausland stamme. „Das Hochfahren wird entsprechend schwierig.“

 

Ähnlich äußerte sich auch die Obfrau der Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft in der Wirtschaftskammer Österreich, Petra Nocker-Schwarzenbacher. Unterm Strich erwartet sie für den Sommer für ganz Österreich „einen markanten Rückgang und spürbare Einschnitte“ für die gesamte Tourismus- und Freizeitwirtschaft.

 

„Eine der am heftigsten gebeutelten Branchen“

Der Tourismus ist laut Stolba „ganz sicher eine der am heftigsten gebeutelten Branchen“. Die ersten Prognosen des Tourismusexperten Oliver Fritz vom Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO), die einen Nächtigungsrückgang von 24 bis 31 Prozent in Aussicht stellen, halten Branchenkenner jedenfalls für recht „optimistisch“. 

 

Bei der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV), welche die Vier- und Fünfsternhotellerie vertritt, geht man von einem Umsatzrückgang von „im besten Fall 40 bis 60 Prozent“ aus. Das Geschäft für die heurige Sommersaison bricht größtenteils weg. „Das hat es seit dem Zweiten Weltkrieg nicht gegeben“, sagte der ÖHV-Sprecher Martin Stanits. „Wenn jetzt die Umsätze in großem Stil für den Rest des Jahres ausfallen, kannst du im Winter auch keine gestundeten Kosten zurückzahlen“, befürchtet ÖHV-Präsidentin Michaela Reitterer.

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