Sommerurlaub 2020 ja oder nein?

Planen und Buchen

Und was ist mit dem Sommerurlaub?


Kontaktsperren und Grenzkontrollen sind verlängert - und der Sommer mit dem geplanten Urlaub rückt näher. Werden wir reisen dürfen? Und wenn nicht - ab wann dann?

 

Den Sommerurlaub in diesem Jahr können wir wohl vergessen. Zumindest den über die Landesgrenzen hinaus. Vielleicht sogar den über die Bundesländergrenzen hinaus. Ganz genau weiß man das natürlich noch nicht - während der Corona-Pandemie tasten sich Bundes- und Landesregierungen wochenweise vor. 

 

Ursula von der Leyen jedenfalls, Chefin der EU-Kommission in Brüssel, kann Buchungen für den diesjährigen Sommerurlaub nicht empfehlen: "Ich rate dazu, mit solchen Plänen noch zu warten. Für Juli und August kann derzeit niemand verlässliche Vorhersagen machen", sagte sie der "Bild am Sonntag" ("BamS") vom Ostersonntag. Auch der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiß, sagte, eine seriöse Einschätzung der Lage im Juli oder August könne heute niemand vornehmen.

 

Dann aber haben die Sommerferien längst begonnen - als Erste sind Familien in Mecklenburg-Vorpommern am 22. Juni dran, als Letzte am 30. Juli die Baden-Württemberger. "Wir werden sicher erst Schritt für Schritt das Wirtschaftsleben wieder hochfahren", sagte Bareiß. "Sollte die Sommerreisezeit in Gefahr sein, so bedeutet das für die Tourismuswirtschaft, die Hotels und Restaurants, eine kaum vorstellbare Katastrophe."

 

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Innerhalb Deutschlands und in Nachbarländer wird man doch bald reisen dürfen, oder?

Vorerst verhindern die umfassenden Kontaktbeschränkungen und die Aufforderung, sich möglichst zu Hause aufzuhalten, das Reisen im eigenen Land - jetzt wurden die Maßnahmen bis zunächst 3. Mai verlängert. Die Bürger in Deutschland sollten weiter auf private Reisen und Besuche auch von Verwandten verzichten - sowie auf überregionale tagestouristische Ausflüge.

 

Auch einige Nachbarstaaten sind für Ausflügler und Urlauber unerreichbar: Die verschärften Grenzkontrollen werden bis zum 4. Mai fortgeführt. Ein- und Ausreisen nach und von Österreich, der Schweiz, Frankreich sowie Luxemburg und Dänemark sind seit Mitte März nur in besonders begründeten Fällen erlaubt - etwa für Pendler mit wichtigen Berufen oder Lastwagenfahrer. Polen und Tschechien lassen Reisende ohne triftigen Grund nicht ins Land.

 

Ebenso sind Hotels, Pensionen, Jugendherbergen und Campingplätze - wie eben alle Übernachtungsmöglichkeiten - von allen Bundesländern für Touristen geschlossen worden. (Eine aktualisierte Übersicht hat der Deutsche Tourismusverband zusammengestellt.) Bisher galt dies bis einschließlich 19. April - nun sollten Übernachtungsangebote auch weiterhin nur für notwendige und ausdrücklich nicht touristische Zwecke zur Verfügung gestellt werden.

 

Die Kommission der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, nach deren Ratschlägen sich Bundeskanzlerin Angela Merkel richten will, könnte sich unter bestimmten Bedingungen das Reisen wieder vorstellen.

 

Würde Mund- und Nasenschutz getragen und in der Öffentlichkeit Abstand gehalten, dann - so die Hoffnung der Verfasser der Ad-hoc-Stellungnahme - könnten die Deutschen dienstlich wie privat unterwegs sein. Auch in der Bahn, im Flugzeug und in den Bussen müssten die Reisenden auf größtmöglicher Distanz bleiben. Die Idee des Leopoldina-Präsidenten Gerald Haug: Die Bahn und Fluglinien sollten Reservierungssysteme etablieren, mit deren Hilfe jede zweite Sitzreihe geblockt wird und fremde Menschen nicht nebeneinander sitzen.

 

Sollte die Bundesregierung den Empfehlungen der Kommission folgen, könnte Reisen zumindest in Deutschland möglich werden. Es ist allerdings nicht abzusehen, wann dies aber der Fall sein wird. Dafür müssten auch Hotels, Ferienwohnungen und Campingplätze wieder für Urlauber geöffnet sein.

 

In den Bundesländern wird die Hoffnung genährt, dass die Sommersaison noch nicht verloren ist. "Das würde ich für übertrieben halten", sagte Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Bernd Buchholz der Deutschen Presse-Agentur. "Wir haben die Hoffnung, dass in der zweiten Jahreshälfte der Tourismus wieder an Fahrt gewinnt", teilte die Bayern Tourismus Marketing mit. Der Kieler Wirtschaftsminister Bernd Buchholz glaubt an eine "sehr gute Wiederbelebung" des Inlandstourismus schon in diesem Jahr.

 

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Und der Sommerurlaub im Ausland?

Bis mindestens Ende April gilt noch eine weltweite "Reisewarnung für alle touristischen Reisen ins Ausland", verkündet das Auswärtige Amt (AA) auf seiner Website. Der Luft- und Reiseverkehr sei stark und zunehmend drastisch eingeschränkt, Touristen im Ausland sollten zurückkommen. Ob die Warnung verlängert wird, muss die Behörde noch entscheiden.

 

Gerade erst hat das AA die größte Rückholaktion in der Geschichte der Bundesrepublik fast beendet. Mehr als 225.000 wegen der Coronakrise im Ausland gestrandete Deutsche wurden auch mithilfe von Reiseveranstaltern und Fluggesellschaften zurückgeholt, einige Hundert warten noch auf die Möglichkeit der Heimkehr.

 

Ob da die Reisewarnung so schnell wieder aufgehoben wird? Immerhin schreitet die Verbreitung des Coronavirus weltweit noch voran. Immer mehr Länder werden betroffen sein und auf nicht vorhersehbare Weise Maßnahmen ergreifen. Zurzeit sind beispielsweise Deutsche und Italiener in der Welt sowieso nicht willkommen und dürfen gar nicht erst oder nur bei Einhaltung strikter Quarantäne einreisen. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron zum Beispiel geht davon aus, dass die Reisebeschränkungen bis mindestens September gelten.

 

Eine schnelle Änderung ist daher nicht in Sicht - und der Sommerurlaub zum Beispiel in der Provence, auf Mallorca oder in den USA eher unwahrscheinlich.

 

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Wann darf man denn nun uneingeschränkt wieder reisen?

Erst sobald ein Impfstoff gegen Sars-CoV-19 vorliegt und verbreitet wurde, dürften sich die Reisebeschränkungen erledigt haben - zumindest zum Teil. Bisher rechnen Wissenschaftler und Politiker mit einem Zeitraum von ein bis eineinhalb Jahren, bis ein solcher Impfstoff auf den Markt kommen kann.

 

Das Kompetenzzentrum Tourismus des Bundes, das im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums tätig ist, hat sich nun gefragt: Wann könnte sich die deutsche Tourismuswirtschaft wieder vollständig erholt haben? Daraus kann man auch ablesen, wie lange noch mit Einschränkungen auch für Reisende gerechnet werden muss.

 

Die Verfasser des "Recovery Checks" haben sich drei Szenarien vorgenommen - eine optimistische, eine realistische und eine pessimistische. Dafür berechneten sie die zu erwartenden Umsatzhöhen, befragten Tourismusverbände und definierten vier Phasen:

  1. Shutdown (jetziger Zustand): Annahme bis Ende April, Ende Mai oder schlimmstenfalls Ende Juni
  2. Lockerung (Reisen mit der Familie mit Übernachtungen in Deutschland): bis Ende Juni, Ende September oder Ende Dezember
  3. Belebung (Reisen auch außerhalb Europas möglich): bis Ende März 2021, Ende Juni 2021 oder Ende April 2022
  4. Normalisierung (Impfstoff ist vorhanden, keine Reiseeinschränkungen mehr - zunächst in Europa): bis Ende September 2021, Ende Juni 2022 oder Ende Oktober 2023.

Die Studie berechnet jeweils, welche Umsätze die Branche zu den Zeitpunkten im Vergleich zu 2019 erzielen könnte (mehr dazu hier). Aber das Fazit ist auch für die Kunden interessant: Dass uneingeschränktes Reisen wieder möglich ist, damit rechnen die Autoren bestenfalls ab Ende März 2021 und schlimmstenfalls ab Ende April 2022.

 

"Mit einer vollständigen Belebung des touristischen Geschäfts in allen Sektoren der Tourismuswirtschaft ist aktuell nicht vor Ostern 2021 zu rechnen", gibt das Kompetenzzentrum an - schlimmstenfalls nicht vor Herbst 2023. Der "Reality Check" soll ab 20. April aktualisiert werden.

 

Weniger düster sieht Ärztepräsident Klaus Reinhardt die Urlaubsaussichten. Zwar glaube auch er nicht, "dass die Deutschen in diesem Sommer schon wieder Urlaubsreisen machen können", sagte der Präsident der Bundesärztekammer den Zeitungen der Funke Mediengruppe am vergangenen Mittwoch. Selbst bei schrittweiser Rückkehr in den Alltag werde die Pandemie das Land noch bis zum Sommer beschäftigen. Daher würden wir wohl nicht wie gewohnt ins Auto, in den Zug oder ins Flugzeug steigen und in die Ferien fahren.

 

Auch würden Urlaubsländer wie Italien oder Spanien die Probleme noch nicht so weit gelöst haben, dass Tourismus wieder möglich sei. "Ich hoffe aber sehr, dass wir das in Teilen in den Herbstferien machen können - und erst recht im kommenden Jahr", sagte Reinhardt.

 

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Das klingt gar nicht gut - dabei ist der Sommerurlaub schon gebucht. Was tun?

Dass man zurzeit nicht unbedingt die Kataloge und die Webseiten nach Flug- und Hotelschnäppchen für den Sommer durchforstet - das ist klar. Urlaube, die bis Ende April, dem bisherigen Ende der Reisewarnung, anstanden, sind inzwischen abgesagt, der Reisepreis sollte zurückgezahlt werden.

 

Die Bundesregierung plant, dass Kunden von Fluggesellschaften oder Veranstaltern ihr Geld in Form eines Gutscheins zurückbekommen. Verbraucherschützer sehen das kritisch, Gutscheine sollten freiwillig bleiben. Noch fehlt für die Maßnahme die Zustimmung der EU.

 

Aber auch viele Reisen in den Ferienzeiten sind längst gebucht, vielleicht schon angezahlt. Solange keine Reisewarnungen und Kontaktbeschränkungen für diese Zeiten vorliegen, ändert sich auch an bestehenden Reisebuchungen erst einmal nichts. Wer jetzt vom Vertrag zurücktritt, muss entsprechend Stornokosten zahlen. Der Rat der Verbraucherschützer lautet hier: Abwarten!

 

Große Reiseveranstalter zeigen sich den Urlaubern zurzeit teilweise kulanter als sonst - sie wollen ihre Kunden in schlechten Zeiten halten oder locken. Sie bieten Boni und kostenlose Umbuchungen über das Datum der Reisewarnung hinaus an. Was genau, das sollte beim Reiseveranstalter bei einer Buchung erfragt oder auf den Webseiten nachgelesen werden.

 

Der nächste Sommerurlaub kommt aber bestimmt: TUI als größter Reiseveranstalter jedenfalls macht schon Buchungen für die Sommersaison 2021 möglich. Damit sei das Programm so früh buchbar wie in keinem Jahr zuvor, teilte der Veranstalter aus Hannover mit.

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