Covid-19: Corona und die Folgen für den weltweiten Tourismus

Wie sich das Coronavirus auf das Reisen auswirkt


Das Auswärtige Amt rät von allen nicht notwendigen, touristischen Reisen derzeit ab. Für im Ausland festsitzende Deutsche gibt es weiterhin ein Rückholprogramm der Bundesregierung. Für den Personenverkehr sind viele Grenzen geschlossen, und auch innerhalb von Ländern gelten Beschränkungen.

 

Das Wichtigste im Überblick:

  • Das Auswärtige Amt hat eine weltweite Reisewarnung ausgesprochen
  • Für die EU gilt eine Einreisesperre
  • Nach Deutschland Einreisende müssen sich für 14 Tage in Quarantäne begeben
  • Gestrandete Urlauber werden nach Deutschland zurückgeholt

Ein- und Ausreise nach Deutschland

Seit Mitte März gilt eine weltweite Reisewarnung des Auswärtigen Amts. Das bedeutet: Die Bundesregierung ruft die Bürgerinnen und Bürger auf, keine nicht notwendigen, touristischen Reisen anzutreten. Die Warnung ist bisher bis Ende April befristet – eine Verlängerung ist möglich.

 

Zur Begründung erklärt das Auswärtige Amt, es sei mit starken und drastischen Einschränkungen im internationalen Luft- und Reiseverkehr, mit weltweiten Einreisebeschränkungen und Quarantänemaßnahmen in vielen Ländern zu rechnen. Aufgrund der Beschränkungen gebe es ein hohes Risiko, im Ausland zu stranden und nicht zurückkehren zu können.

 

Deutschland hat seine Grenzen zu Frankreich, Luxemburg, der Schweiz, Österreich und Dänemark für den Personenverkehr weitgehend gesperrt. Das Bundesinnenministerium veröffentlichte eine Liste mit den Grenzübergängen, die noch geöffnet sind.

 

Polen und Tschechien haben ihrerseits die Grenzen geschlossen. Ausnahmen, die zunächst noch für Berufspendler galten, wurden inzwischen gestrichen. Rückkehrer, die in Deutschland gearbeitet haben, werden in diesen Ländern unter Quarantäne gestellt.

 

Dänemark hatte besonders früh mit strikten Maßnahmen auf die Corona-Krise reagiert, unter anderem sind seit dem 14. März die Grenzen des deutschen Nachbarlandes für Ausländer ohne triftigen Einreisegrund geschlossen. Auch Belgien hat zum Schutz vor dem Virus seine Grenzen geschlossen. Ausnahmen gelten nur für Menschen, die einen triftigen Grund für ihre Reise vorweisen können.

 

Damit sind fast alle Landgrenzen Deutschlands nur noch eingeschränkt passierbar. Lediglich in die Niederlande läuft der Verkehr noch relativ ungehindert. Über Ostern kontrollierte die Bundespolizei jedoch verstärkt, um Osterausflüge zu verhindern. Ohnehin sind in der bei Touristen beliebten Region Zeeland Übernachtungen verboten, auch in der eigenen Ferienwohnung. Das gilt auch in der Hafenstadt Rotterdam.

 

Grenzüberschreitende Reisen sind für Deutsche nicht gänzlich verboten, erfordern aber einen dringenden Grund. Das Bundesinnenministerium nennt unter anderem ärztliche Behandlungen oder familiäre Todesfälle. Auch Berufspendler, EU-Parlamentarier und akkreditierte Diplomaten dürfen gegebenenfalls ins Ausland reisen.

 

Bund und Länder haben angeordnet, dass Reisende, die nach einem mehrtägigen Aufenthalt im Ausland zurückkehren, 14 Tage unter häuslicher Quarantäne bleiben müssen. Außerdem müssen sie das für sie zuständige Gesundheitsamt kontaktieren. Ausnahmen gibt es für bestimmte Personengruppen wie Diplomat*innen und Ärzt*innen oder Pendler*innen.

 

Personen von außerhalb der Europäischen Union dürfen derzeit grundsätzlich nicht in die EU einreisen. Deutschland setzt diese Einreisesperre zum Beispiel an den internationalen Flughäfen um. Ausnahmen gibt es für Länder, die der europäischen Freihandelsassoziation EFTA angehören: Island, Liechtenstein, Norwegen und Schweiz, sowie für das gerade aus der EU ausgeschiedene Großbritannien. Menschen aus diesen Ländern sowie EU-Bürger müssen sich ebenfalls für 14 Tage in Quarantäne begeben, wenn sie nach Deutschland einreisen.

 

Für Saisonarbeitskräfte wie z.B. Erntehelfer wurde folgende Regelung zwischen dem Innenministerium und dem Landwirtschaftsministerium vereinbart: Im April und Mai dürfen jeweils 40.000 ausländische Arbeiter nach Deutschland einreisen. Diese dürfen ausschließlich per Flugzeug nach Deutschland kommen und müssen nach einem Gesundheitscheck erst einmal 14 Tage strikt getrennt von sonstigen Beschäftigten leben und arbeiten. Bei den Arbeiten sind Mindestabstände einzuhalten.

Rückholung von Urlaubern

Weiterhin bemüht sich die Bundesregierung, im Ausland gestrandete Deutsche zurück nach Hause zu holen. Seit März wurden etwa 200.000 Menschen nach Deutschland ausgeflogen. Allerdings sollten nach Schätzungen vom 4. April noch etwa 40.000 Deutsche im Ausland festsitzen. Die meisten befinden sich laut Auswärtigem Amt derzeit noch in Neuseeland, Südafrika und Peru.

 

Betroffenen Urlauberinnen und Urlaubern wird geraten, sich mit der deutschen Botschaft oder einem Konsulat in Verbindung zu setzen. Noch vorhandene Reisemöglichkeiten sollten genutzt werden. Wenn es keine Verbindungen mehr gibt, soll man sich auf der zentralen Internetseite des Rückholprogramms der Bundesregierung registrieren. Hilfe bietet das Auswärtige Amt zudem unter der Telefonnummer 030/50003000 an.

Ein- und Ausreise in anderen Ländern

Auch die USA und viele andere Länder raten ihren Bürgerinnen und Bürgern generell von Auslandsreisen ab. Urlauber sollen zurückgeholt werden. Für Europäer gilt seit Mitte März ein Einreisestopp in die USA. Die Regelung betrifft alle Personen, die sich in den 14 Tagen vor ihrer Reise im Schengen-Raum aufgehalten haben.

 

Unter anderem Israel, Australien, Brasilien und Indien haben ihre Grenzen für Ausländer weitgehend geschlossen. In anderen Ländern gelten Einreiseverbote für Reisende aus Risikogebieten oder strenge Quarantäne-Vorschriften nach der Einreise. Im Einzelnen informieren die Internetseiten der Botschaften.

Flugreisen

Zahlreiche Flugverbindungen sind aufgrund fehlender Nachfrage eingestellt worden. Viele Fluglinien haben wegen der Beschränkungen oder wirtschaftlicher Schwierigkeiten ihre Verbindungen gestoppt oder stark reduziert. Die Lufthansa stellte ihren Flugplan um. Reguläre Auslandsverbindungen wurden reduziert. Stattdessen will sich die Unternehmensgruppe [nach eigenen Angaben|https://newsroom.lufthansagroup.com/German/Newsroom/lufthansa-group-ver-ffentlicht-details-zum-r-ckkehrer-flugplan/s/10c786fd-cc76-4348-b8df-aae2d7926a0f] darauf konzentrieren, in Zusammenarbeit mit europäischen Regierungen und Reiseunternehmen Deutsche und Bürger anderer europäischer Länder zurück nach Hause zu fliegen.

 

Wer von sich aus einen Flug stornieren möchte, muss in der Regel die Kosten selbst tragen. Allerdings räumen einige Fluggesellschaften kostenfreies Umbuchen ein. Die Bundesregierung schlägt eine Gutscheinlösung vor, die für abgesagte Reisen, aber auch für andere Veranstaltungen greifen soll. Demnach sollen Verbraucher statt einer Rückzahlung Gutscheine bekommen, die bis Ende 2021 gelten. Werden sie bis dahin nicht eingelöst, soll das Geld vom Veranstalter dennoch ausgezahlt werden. Gelten soll das für Tickets, die vor dem 8. März gekauft wurden. Verbraucherschützer kritisierten, durch das Vorhaben gäbe es „Zwangskredite der Verbraucher an die Unternehmen“. Im Gespräch ist jetzt eine Insolvenzsicherung für die Gutscheine.

Blick von Grönland auf ein Kreuzfahrtschiff - blaues Wasser, blauer Himmel
Kreuzfahrtschiff vor Grönland

Kreuzfahrten und Pauschalreisen

Viele Staaten lassen Kreuzfahrtschiffe nicht mehr in ihren Häfen anlegen, nachdem auf den Schiffen in mehreren Fällen Infektionen festgestellt wurden. In den vergangenen Wochen wurden immer wieder Kreuzfahrtschiffe unter Quarantäne gestellt oder mussten zwangspausieren. Mittlerweile wurden sämtliche Reisen abgebrochen. Viele Kreuzfahrtpassagiere sind älter als 60 Jahre und gehören zur Risikogruppe. Experten der Reisebranche befürchten, dass sich das Kreuzfahrt-Urlaubsgeschäft nur schwer von der Coronakrise erholen wird.

 

Viele Anbieter von Kreuzfahrten, aber auch von Pauschalreisen haben von sich aus ihre Angebote storniert. Für Menschen, die eine solche Reise gebucht haben, bietet die Reisewarnung des Auswärtigen Amts eine wichtige Grundlage für mögliche Erstattungen.

Bahnreisen

Die Deutsche Bahn ruft ihre Kunden auf, in den kommenden Wochen nur noch mit dem Zug zu fahren, wenn es unumgänglich ist. Der Regionalverkehr innerhalb Deutschlands ist reduziert. Im internationalen Bahnverkehr wurden zahlreiche Verbindungen in die Nachbarländer gestrichen oder stark eingeschränkt.

 

Bei Stornierungen und Umbuchungen kündigte die Bahn Kulanz an: Wer auf eine Bahnfahrt verzichten möchte oder muss, der bekommt sein Geld in voller Höhe zurück. Das gleiche gilt auch, wenn der Grund für die Reise entfällt, weil eine Messe oder eine andere Veranstaltung abgesagt wurde.

Tourismus innerhalb Deutschlands

Auch für Reisen im Inland gelten starke Einschränkungen. Nach dem Willen der Bundesregierung sollen Übernachtungsangebote im Inland nur noch zu „notwendigen“ und nicht mehr zu touristischen Zwecken genutzt werden können.

 

Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein lassen generell keine Touristen mehr ins Land. Das gilt auch für Menschen mit Zweitwohnung in den beiden nördlichen Bundesländern. Über Ostern durften in Mecklenburg-Vorpommern nur Einwohner des Bundeslandes Ausflüge zu den Ostseeinseln oder zur Küste machen.

 

Ausdrücklich verboten bleiben Reisen mit dem Bus. Die Fernbusanbieter Flixbus und Blablabus haben wegen der Corona-Pandemie ihren Betrieb bis auf weiteres eingestellt. Wie die Unternehmen mitteilten, werden alle Verbindungen gestrichen. Das gelte für innerdeutsche und grenzüberschreitende Strecken.

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