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Lawinen: Der weiße Tod

Im Winter in den Bergen lauert eine Gefahr: Lawinen! Vor allem Neuschnee bedeutet für die Bergwacht oft akute Lawinengefahr. Für ihre Entstehung gibt es verschiedene Ursachen. Manchmal bringt Regen die Schneemassen zum Abstürzen, manchmal ein Tier. Ganz oft sind aber Menschen schuld am Abgang einer Lawine. 

"Rund 90 Prozent der Verschütteten haben ihre Lawine selbst ausgelöst", erklärt das Eidgenössische Institut für Schnee und Lawinenforschung der Schweiz, das seit vielen Jahren die Lawinenentstehung untersucht.

Mit Tempo 200 - 300 km/h rauscht die Lawine ins Tal

Bevor die Lawine zu sehen ist, ist sie zu hören. Schon aus der Ferne vernimmt man ein dumpfes, beunruhigendes Grollen. Schnell kommt es näher – eine Lawine ist im Anmarsch! Dabei rutschen riesige Schnee- und Eismassen mit einer Geschwindigkeit von bis zu 300 Kilometern pro Stunde den Gebirgshang hinab. Sie prallen mit starkem Druck auf alles, was ihnen im Weg steht.

 

Rund hundert Menschen kommen pro Jahr durch Lawinenabgänge zu Tode. Doch nicht jede Lawine ist gleich gefährlich. Während der Abgang einiger harmloser Lawinen glimpflich ausgeht, können andere Schneelawinenarten schnell extrem gefährlich werden. 

Besonders gefährlich: Die Schneebrett-Lawine


Ein Schneebrett ist die typische Skifahrerlawine. Schneebrettlawinen töten und verletzten rund 95 Prozent der menschlichen Lawinenopfer und werden häufig von diesen selbst ausgelöst. Dabei löst sich von einer Kante ein Schneebrett und rutscht mit bis zu 80 Stundenkilometern zunächst zusammenhängend hinab ins Tal. Die Abbruchkante kann mehrere Meter lang sein. Wer so ein Schneebrett auslöst, wird in der Regel von ihm mitgerissen. Die meisten Opfer verletzen sich dann massiv, weil sie mit Felsen zusammenstoßen, Hänge hinunterstürzen oder ersticken. Schneebretter können aus lockerem oder nassem Schnee bestehen.

Ihre Entstehung wird durch steile Hänge begünstigt, auf denen sich der Schnee in verschiedenen Schichten auftürmt. Durch den Wechsel von Schneefall und Sonnenschein bekommen die einzelnen Schichten jeweils andere Eigenschaften. Irgendwann beginnt sich die oberste Schicht zu lösen und stürzt ins Tal. Sie stellt die klassische Gefahr für Skifahrer dar.

Lawinenwarnstufen


5 Gefahrenstufen hat die europäische Lawinengefahrenskala

  • Stufe 1 - gering: Die Schneedecke ist allgemein stabil, mit wenigen Ausnahmen an extrem steilen Hängen herrschen sichere Verhältnisse.
  • Stufe 2 - mäßig: Eine Auslösung von Lawinen ist vor allem bei großer Zusatzbelastung etwa durch Skifahrergruppen an Steilhängen mit einer Neigung von mehr als rund 30 Grad möglich.
  • Stufe 3 - erheblich: Eine Auslösung ist bereits bei geringer Zusatzbelastung (einzelner Skifahrer, Snowboarder oder Schneeschuhgeher) vor allem an gefährdeten Steilhängen mit nur mäßig verfestigter Schneedecke möglich. Spontan (ohne menschliches Zutun) sind bereits einige auch große Lawinen zu erwarten.
  • Stufe 4 - groß: Eine Auslösung ist bereits bei geringer Zusatzbelastung an zahlreichen Steilhängen wahrscheinlich. Spontan können viele große, mehrfach auch sehr große Lawinen abgehen.
  • Stufe 5 - sehr groß: Spontan sind viele sehr große, mehrfach auch extrem große Lawinen selbst in mäßig steilem Gelände unter 30 Grad zu erwarten.

Die meisten tödlichen Unfälle sind übrigens im langjährigen Durchschnitt bei der Gefahrenstufe 3 - erheblich - zu verzeichnen, ermittelte das Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF.

Richtiges Verhalten im Winterurlaub


Schutzmassnahmen bei einem Lawinenabgang

Immer wieder liest man diese Regeln, die man im Ernstfall beachten soll, um sich zu schützen, falls man in die gefährliche Situation gerät, dass sich eine Lawine löst:

  1. Versuchen Sie, sich seitlich aus der Lawinenbahn zu steuern
  2. Bevor Sie von der Lawine ergriffen werden, werfen Sie die Skistöcke ab, um das Risiko von Verletzungen zu verringern
  3. Versuchen Sie sich mit Schwimmbewegungen an der Oberfläche zu halten
  4. Sobald der Schnee langsamer wird, bilden Sie mit den Händen eine Atemhöhle über Mund und Nase, um in den Schneemassen nicht zu ersticken

Aber im Ernst, glauben Sie, dass das wirklich hilf???

Die Praxis zeigt nämlich, dass es sehr unwahrscheinlich ist, dass sich Lawinenopfer mit diesen Mitteln retten können. Die Wucht einer Lawine ist meistens viel zu stark! Und Betroffene werden hin- und her gerissen. Die Folge ist, dass sie die Orientierung verlieren und sich unter dem tonnenschweren Gewicht des Schnees nicht mehr bewegen können. Nicht zu vergessen die Atemnot, die scheren Verletzungen und die unerbittliche Kälte, die die Gliedmaßen rasch einfrieren lässt. 

 

Rettungskräfte haben übrigens nur etwa 15 Minuten Zeit, um Lawinenopfer rechtzeitig aus dem Schnee zu befreien.

Tipps für Ihre Sicherheit

  • Ganz wichtig: immer seinen gesunden Menschenverstand einschalten!
  • Informieren Sie sich vor Ihrer Bergtour über die Wetterverhältnisse, eventuellen Neuschnee und die derzeitige Stufe der Lawinenwarnstufe
  • Speichern Sie sich die Notrufnummer der örtlichen Bergwacht ab. Die Nummer findet sich meistens an den Infotafeln der Liftstationen
  • Gehen Sie nicht allein in die Berge und nie ohne Handy 
  • Gerade bei schlechter Sicht ist ein GPS-Gerät von Vorteil
  • Bleiben Sie als Wanderer auf den ausgeschilderten Wanderwegen
  • Bewegen Sie sich als Skifahrer ausschließlich auf den ausgewiesenen Skipisten 

Das Schlüsselwort heißt Selbstverantwortung. Nicht bei jedem Neuschnee und Pulverschnee muss der Verstand aussetzen!! Und man muss nicht alles und jeden neuesten (Sport-) Trend mitmachen.

Allein in Österreich gab es in der Saison 2018/19 insgesamt 19 Tote bei Lawinenunfällen, in der Schweiz waren es 27.

Was kostet eine Bergrettung?


Wenn der Schock nach der Bergrettung für Lawinenopfer überstanden wurde, kommt oft der nächste Schock, wenn die Rechnung dafür ins Haus flattert. Denn eine Such- und Rettungsaktion kann schnell ins Geld gehen.

 

Was kostet es, wenn Sie wirklich in den Bergen gesucht und gerettet werden müssen?

In Bayern gibt es hierfür eine Pauschale. Je nach Art des Einsatzes belaufen sich die Kosten auf einige Hundert bis über 1000 Euro. Bei Lawineneinsatz oder Suche nach Vermissten mit einem erhöhtem Aufwand können in einzelnen Fällen aber auch höhere Kosten anfallen, zum Beispiel wenn eine Großzahl an Kräften über mehrere Tage hinweg im Einsatz sind. Die tägliche Obergrenze liegt hierbei bei 2500 Euro am Tag, so die Bayerische Bergwacht.

In Österreich werden die Kosten hingegen bei jedem Einsatz individuell berechnet. Je nach Zahl der Einsatzkräfte und Dauer des Einsatzes fällt die Rechnung entsprechend niedrig oder hoch aus.

 

Wenn Sie einen Blick in Ihre Versicherungspolicen werfen, werden Sie wissen, ob Sie für den Fall von Bergungskosten, Such- und Rettungskosten abgesichert sind und im Falle eines Falles nicht auf diesen Kosten sitzen bleiben müssen.

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